Fraueneingänge

Fankurve HoffeLieber Kwesi Nyantaki! Ich bins nochmal. Die Attraktivität deiner Stadien läst mich nicht zur Ruhe kommen. Kürzlich besuchte ich mit zwei (!) durchaus gut aussehenden (!!) Frauen die Bundesligapartie zwischen TSG Hoffenheim und den Schwaben vom VfB Stuttgart. Ich will es vorweg nehmen: Es war ein grausames Gekicke, „Not gegen Elend“, wie die  Begleiterin zu meiner Rechten fachfraulich kommentierte. Und nur auszuhalten durch die Anwesenheit der sehr attraktiven Begleiterin zu meiner Linken. Ich will dich nicht neidisch machen, aber du wirst es nicht schaffen, in deinen Stadien mit ähnlich ansehlichen Frauen aufzukreuzen. Schon gar nicht mit den Methoden, die dir bislang vorschwebten.

FraueneingängeEin allerletztes Mal will ich dir also nochmal beratend zur Seite stehen: Du könntest an den Arenen in deinem Land nach dem Vorbild der Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena separate Fraueneingänge schaffen. Bevor du den Ladies Zutritt ins Stadion gewährst, müssten sie drei Fußballfachfragen (kurz FFF) beantworten, z.B.:

FFF 1: Was ist eigentlich eine Abseitsfalle?
FFF 2: Welche spanische Mannschaft tritt in rosa Trikots zu Auswärtsspielen an?
FFF 3: Welcher Staatspräsident ist Pionier in Sachen passiven Frauenfußballs?

VfB-AnhängerinDu erhältst so  garantiert Besucherinnen auf der fußballfachlichen Höhe der Zeit. Deine Jungs wissen das sicher zu schätzen und kommen auch. Gefällt dir nicht? Du würdest lieber die Körpermaße in Augenschein nehmen? Mach was du willst. Ab sofort musst du allein schauen, wie du klar kommst. Ich hab getan, was ich konnte. Viel Glück und volle Stadien!

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Rosa Ghanaer und sexy Mädels

Real Oviedo in AuswärtstrikotsLieber Kwesi Nyantakyi. Die Weiterentwicklung des Fußballsports in Ghana hat mir keine Ruhe gelassen. Habe mir also nochmal Gedanken gemacht, wie man nun die sexy Mädels in deine Stadien kriegen kann. Neulich hatte ich ja die Idee verworfen, dass es hilft, in lila Trikots aufzulaufen. Jetzt bin ich dahinter gekommen, dass der spanische Verein Real Oviedo zuhause zwar in blauem Dress ins Stadion einläuft, auswärts jedoch von oben bis unten in rosa gekleidet ist. Die Stadien der Gegner sind deshalb auch rappelvoll mit attraktiven Frauen. Und auch einige Männer finden die rosa Leibchen ganz putzig. Ich gebe also zu, ich habe mich geirrt. Oviedos Präsident Jorge Menéndez Vallina freut sich bestimmt auf einen Gedankenaustausch mit dir im Campo de Teatinos.

Technische Pannen und ein klasse Fußballabend

Spaziergang durch die City zum Stadion. Grölende Fortunen stimmen sich auf die Niederlage ein. 2 neue Autoaufkleber werden ab morgen meine Heckscheibe zieren. Jetzt warten am Wurst- und Bierstand. Dann kanns los gehen: „Tief im Westen …“

Bochum tritt ohne BILD-Kampagnenemblem zur Unterstützung von Flüchtlingen an. Gute Entscheidung! Nicht nur weil deren Chefredakteur nach der Absage von St. Pauli unterstellte, der Verein würde der rechten AfD in die Hände spielen. Vor allem deshalb: BILD ist selbst oft genug an vorderster Front dabei, wenn es um ausländerfeindliche Hetze und um rassistische Vorurteile geht.
Bild dir deine Meinung geht nur ohne BILD!

Und dann dass: technische Probleme beim Hochladen des Beitrags. Deshalb keine Meldung mehr. Mist!

Das Spiel – die offiziellen Spielberichte kennt ihr ja jetzt schon – ist super spannend, tempo- und chancenreich. Fortuna immer leicht überlegen. 90 Minuten lang aber ohne Fortuna. Entweder ist Luthe zur Stelle oder die Latte. Oder Luthe. Und in der 26. Minute erzielt Tim Hoogland sogar die Bochumer Führung. Die hat Bestand bis in die Nachspielzeit. Kurz vor Abpfiff doch noch Fortuna für die Fortuna: der Ausgleich. Nochmal Mist!

Wir beenden den Abend mit leckerem Essen im Taj Mahal. Die sind umgezogen und jetzt in der Viktoriastraße zu finden. Lecker!

Ein toller Fussballabend also und immer noch kann man skandieren: „Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey hey …“

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Vorbereitungen

Ankunft in Bochum. Ninja-Turtles erwarten uns am Bahnhof. Manche mit Hund. Das IBIS mit seinem 70er Jahre-Flair ist klasse, das Bullauge im Mini-Bad vermittelt Seefahrerromantik. Letzte Vorbereitungen fürs Spiel. Kurz duschen, Fankluft an, los gehts. Zu Fuß ins Ruhrstadion …

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Unser kleines Tippspiel

Wir sitzen im Zug. Pünktlich! Ein netter Zugbegleiter serviert Kaffee. Wir tippen: Die Liebste 2:1 für den VfL, ich gebe mich euphorisch: 5:1 fegen wir die Rheinländer weg! Nach dem 1:1 in Sandhausen natürlich gewagt. Aber: Wer wohnt schon in Düsseldorf? Der Verlierer unseres Tippspiels muss das Abendessen im Taj Mahal nach Spielende bezahlen. Ein billiger Abend für mich …

Von der Kita Bürgerpark ins Bochumer Ruhrstadion

Kurz nach 12 Uhr. Nach getaner Arbeit in der Kita Bürgerpark nach Hause. Sachen packen für den Westschlager VfL – Fortuna Düsseldorf. Auch die von der Liebsten. Sie wurde durch unnötige Anrufe vom frühen Feierabend gehindert. Wichtig: Schal u. Tickets für das Spiel. Und nicht vergessen: ein neuer Aufkleber fürs Auto muss gekauft werden. Unbedingt! Der alte ist ne Schande! Jetzt auf dem Weg zum Bahnhof, von dort in zweieinhalb Stunden ins Herz des Reviers. Was wir unterwegs erleben und wie das Spiel heut Abend läuft, erfahrt ihr hier.

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„Sexy Frauen“ in „Ernst-Kuzorra-seine-Frau-ihr-Stadion“

Kwesi_Nyantakyi2Lieber Kwesi Nyantakyi. Ist es wahr, du willst, nein: du musst „sexy Frauen in unsere Arenen bringen“? So zitierte dich, deines Zeichens Präsident des Fußballverbands von Ghana, die Süddeutsche Zeitung am letzten Samstag. Frauen und Fußball. Wem würden da nicht spontan Sprüche einfallen wie „Das Grüne ist der Rasen und das Runde der Ball!“ Weltenbummler-Trainer Rudi Gutendorf – war der nicht auch einmal bei euch Nationalcoach? – meinte zum Thema: „Im Bett kann eine Frau herrlich sein. Auf dem Fußballplatz wird sie mir aber immer schrecklich vorkommen.“

Pin-Up-Girl bei Franz KellerFranz Kellers UrinalKennst du, lieber Kwesi, Franz Keller. Der betreibt auf dem Kaiserstuhl ein Weingut und das mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete Lokal „Schwarzer Adler“. Er fühlte sich offenbar inspiriert von deiner ghanaischen Sicht auf die Fußball-Dinge. In der Herrentoilette seiner schicken „KellerWirtschaft“ lächelt einem – auf einem Fußball sitzend – eine nackte Blondine entgegen. „Haben wir nicht so viele“, wirst du jetzt vermutlich denken. „Die Zukunft des Fußballs ist weiblich“, fiel mir dazu ein, als ich urinierend neben dem Old-School-Pin-Up stand. Ob Noch-FIFA-Chef Joseph Blatter dies so gemeint hat? Als Ghanaischer Fußballverbandschef hast du das offenbar so ähnlich interpretiert wie der Wein-Franz. Und willst nun gezielt attraktive Frauen in die Stadien bringen, um dem Zuschauerschwund im ghanaischen Fußball entgegenzuwirken. Sind die Frauen erst mal da, „werden die Männer ihnen von ganz alleine folgen“, gibst du dich, lieber Kwesi Nyantakyi überzeugt. Als würden die Männer wegen den Frauen in die Stadien strömen. Ich jedenfalls nicht. Ein spannendes und einfaches Spiel, das Anfeuern der eigenen Mannschaft, die Zugehörigkeit zum VfL Bochum, die Stadionatmosphäre, darum ist Mann hier. Und Frau zunehmend auch. Fast vier von zehn Stadionbesucher in Deutschland sind weiblich. Webseiten wie www.herthafreundin.de gibt es nicht mehr. Dort gab es Schminktipps, Kochrezepte – aber keine Tabelle! Und selbst das scheinbar nette Neandertal-Video der Sportschau gehört seit langem der Vergangenheit an.

Wozu das geführt hat, fragst du, lieber Kwesi HSV_TrikotsNynatakyi? Nun, wir sind Weltmeister! Mal ehrlich, Kwesi: würdest du die rosa und himmelblauen Trikots als Spieler tragen oder auch nur als Fan ertragen wollen, die uns in den siebzigern Jahren HSV-Präsident Peter Krohn zumutete, weil er glaubte, „diese Farben gefallen den Frauen“?

HalstücherMänner in StrumpfhosenP1100241Klar, optisch ließe sich die Fankluft noch aufhübschen. Mein Vorschlag: Halstücher für Frauen und Männer und bunte Strumpfhosen in Vereinsfarben nur für Männer. Wie beim Palio in Siena. Der steht sicher nicht im Verdacht, besonders weibisch zu sein. Die Anhänger von Bayer Leverkusen aber auch nicht. Wie ich weiß, seit ich vor einigen Jahren mal mit dem Bus nach Berlin fuhr. Wir waren schon halb weggedöst, da grölten plötzlich mehrere Bass- und Baritonstimmen von den hinteren Sitzreihen: „Wir haben Schwänze und steh’n auf Busen, wir sind die Fans von Bayer Leverkusen!“ Das nervte zunehmend. Bis sich in der Busmitte schließlich ein weiterer Fanblock bildete und höhnisch erwiderte: „Wir steh’n auf Schwänze und nicht auf Busen, wir …“ Ja schon richtig, Kwesi Nyantakyi: das entsprach natürlich nicht der political correctness. Aber lustig war es schon, in die verdutzten Leverkusener Gesichter zu blicken. Es würde jedoch auch niemand ernsthaft auf die Idee kommen, das Design von Fanassecoires den sexuellen Präferenzen der Fans anzupassen, oder?

Fußball verbindetWeil es darauf nicht ankommt, Kwesi! Bitte denke darüber noch mal nach. Mache deinen Fußball sexy. Und wundere dich nicht, wenn dann künftig die Accra Inter Allies eine „Uschifront“ haben (oder wie eure Frauen mit Vornamen heißen) oder Fanclubs auf Namen wie „Accra-Tussen“ hören. Stelle dich auch darauf ein: am Ende wollen die Mädels noch selbst kicken. Da helfen nicht einmal alte Voodootänze. Das Stadion kann ja trotzdem so heißem wie du. Denn wie gab schon unser Alt-Bundespräsident Johannes Rau auf die Frage, ob Fußballstadien nicht auch nach Frauen benannt werden sollten, zu bedenken: „Und wie soll dann bitte so ein Stadion heißen? Vielleicht Ernst-Kuzorra-seine-Frau-ihr-Stadion?“ Und frag jetzt bitte nicht, wer Ernst Kuzorra war!

Euer Finale war 1945 !

Wallpaper_ansteckend_1680x1050Es gab viele Aufreger in den letzten Tagen. Vor allem die nicht enden wollenden Gerüchte um einen möglichen Wechsel von Simon Terodde in die 1. Bundesliga erhitzte die Bochumer Fußballgemüter. Terodde blieb und erzielte kurz nachdem das Transferfenster geschlossen wurde am Montagabend Terodde schießt Bochum zum Vereinsrekord. Der VfL Bochum geht somit als souveräner Tabellenführer in die Länderspielpause. Eine Momentaufnahme, sicherlich. Aber was für eine!

Wichtiger und genauso erfreulich war aber am Montagabend der Ausschluss des Naziklub FC Ostelbien Dornburg aus dem Landessportbund Sachsen-Anhalt (LSB). Gleichzeitig verliert der Verein wegen „Verstößen gegen sportliches Verhalten“ und „Duldung extremistischer, rassistischer und fremdenfeindlicher Gesinnung“ seine Mitgliedschaft im Fußballverband Sachsen-Anhalt (FSA) und kann deshalb auch nicht mehr am Spielbetrieb der Kreisliga Jerichower Land teilnehmen.

finale45Seit Jahren werden Gegenspieler, Schiedsrichter und Zuschauer von Spielern des Vereins eingeschüchtert, beleidigt und bedroht. Gezielte grobe Fouls an Gegenspielern gehören ebenso zum „Repertoire“ wie rassistische und antisemitische Beleidigungen („Judenschweine“) und Drohungen („Dich haben sie in Auschwitz vergessen“ oder „Wundere dich nicht, wenn wir dich mal anzünden“). Die Polizei rückte routinemäßig zu den Spielen an. Nahezu alle Spieler der Mannschaft sind dem Landesverfassungsschutz als Rechtsextremisten bekannt und damit mehr als nur sogenannte „Mitläufer“. Wem das noch nicht reicht, dem sei Bericht des MDR empfohlen, der das Auftreten der braunen Kicker um dessen Anführer Dennis Wesemann dokumentiert. Wesemann, Gründer der rechten Hooligans Blue White Street Elite, trägt die Rückennummer 18. Kein Zufall: in der Neonaziszene steht diese Zahl für die Initialen Adolf Hitlers. Der FC Ostelbien Dornburg ist ein Neonazi-Verein durch und durch.

Schon 2011 versuchte der FSA, die Aufnahme des Neonazi-Klubs in die Liga zu verhindern. Vor dem Landgericht aber klagte Ostelbien Dornburg das Spielrecht ein. Erst nachdem immer mehr couragierte Schiedsrichter – zum Schluss 59 von 65 Schiris – sich weigerten, Spiele der Nazitruppe zu pfeifen und einige Vereine vor der Saison erklärten, zu den Spielen gegen FC Ostelbien nicht mehr anzutreten, entschlossen sich Landessportbund Sachsen-Anhalt und FSA erneut, den Verein auszuschließen.

fansgegennazisDass es so lange gedauert hat, hängt auch damit zusammen, dass sich viele nicht trauten, gegen die Truppe um Nazi Dennis Wesemann auszusagen. Sportrechtlich und strafrechtlich relevante Vorkommnisse fanden in den Spielberichten oft keine Erwähnung, weil die Schiris sich vor Racheakten fürchteten. Dennoch wurden verschiedene Strafverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung, Landfriedensbruch und des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen gegen Spieler des Vereins eingeleitet. Bestraft wurde keiner. Wesemann wurde sogar in den Ortschaftsrat der Gemeinde Stresow gewählt – mit den meisten aller Stimmen.

Nazis rausEs ist deshalb ein gutes Zeichen, dass sich Landessport- und Fußballverband nun zu einem Ausschluss entschlossen haben. Und es ist gut, dass zahlreiche Vereine sich dazu bekennen, dass im Fußball – und auch sonst nirgends – kein Platz für Nazis ist.

Vermissen wird die Neonazitruppe keiner! Weder im Jerichower Land noch sonst wo in Fußballdeutschland!

fußballgegennazis

Alpträume

Nazis rausNeulich beim Ordnungsamt in einer mittelgroßen Großstadt in Deutschland: Ein junger Mann meldet gemeinsam mit zwei Freundinnen eine Demonstration an: „Rassismus raus – Stimmung rein!“ Die Demo soll an einem Samstagvormittag in der Fußgängerzone stattfinden, wenige Stunden vor dem Bundesligaauftakt 2014/2015. Die jungen Leute rechnen mit mehr als 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die meisten davon Fußballfans, die sich von rechten Tendenzen in der Fußballszene distanzieren möchten. Der Ordnungsamtsmensch tippt alles in seinen Rechner und erklärt lakonisch: „Das macht gemäß Paragraph 138b in Verbindung mit Paragraph 127 dann 45 Euro Verwaltungsgebühr und  70.000 Euro für den Polizeieinsatz. Die drei schlucken und fragen bestürzt nach: Da müsse es sich doch offensichtlich um einen Irrtum handeln. Der Beamte bleibt stur und erklärt, die Demo sei als Risikoveranstaltung einzustufen und da müssten die Veranstalter nun mal selbst für die Ordnungshüter aufkommen. Enttäuscht machen die drei jungen Leute einen Rückzieher. Soviel Geld können sie nicht aufbringen. Die Demo wird abgesagt.

Ein Alptraum! Ich wache schweißgebadet auf. Nur ein Alptraum! Die öffentliche Sicherheit und Ordnung wird bei Demonstrationen und anderen Veranstaltungen weiterhin steuerfinanziert von der Polizei gewahrt und im Zweifel hergestellt. Die Herstellung dieser Ordnung ist eine der originären Aufgaben der Polizei in einer Demokratie. Noch!

SAMSUNG SAMSUNGGeht es nach dem Willen einiger Politiker, sollen nun Fußballvereine an den Kosten von Polizeieinsätzen „angemessen“ beteiligt werden. Doch was ist angemessen? In den Stadien selbst, in denen die Vereine das Hausrecht haben, sind diese auch für die Sicherheit zuständig. 70.000 Euro kostet das zum Beispiel Eintracht Frankfurt pro Spiel. Der Verein meines Herzens gibt pro Saison rund 660.000 Euro für Ordnungsdienste im Stadion aus. Außerhalb des Stadions, im öffentlichen Raum also, ist es Aufgabe der Polizei, den Verkehr zu regeln, Streitigkeiten zu schlichten und Gewalt zu unterbinden. So wie bei jedem Rockkonzert, bei jeder Demonstration und jedem Volksfest auch.

Apropos Volksfest: Beim Münchner Oktoberfest hatte die Polizei in den vergangenen beiden Jahren jeweils mehr als 2.000 Einsätze. Die Verkehrsregelung nicht inbegriffen. Alleine am letzten Wiesn-Samstag 2013 wurden 241 Polizeieinsätze gezählt. Ähnlich dürfte die Bilanz bei anderen Großveranstaltungen, etwa dem Cannstatter Wasen, ausfallen.

213ff_0469Es ist gut und richtig, dass hier die Polizei die öffentliche Sicherheit und Ordnung, also „die Gesamtheit der ungeschriebenen Regeln (…), deren Befolgung nach den jeweils herrschenden sozialen und ethischen Anschauungen als unerläßliche Voraussetzung eines geordneten menschlichen Zusammenlebens innerhalb eines bestimmten Gebiets angesehen wird.“, wahrt bzw. herstellt.

Dies muss auch für den Fußball gelten. Die Vereine bezahlen, entsprechend ihrer Wirtschaftskraft, genauso Steuern wie jeder andere auch. Gehen wir mal von dem hochgegriffenen Wert für Polizeieinsätze beim Fußball von jährlich mehr als 100 Mio Euro aus. Das ist nicht gerade wenig. Halten wir dem aber entgegen, dass durch den Fußball nach einer Studie aus dem Jahr 2010 Steuereinnahmen von 1,5 Milliarden Euro entgegen stehen, relativiert sich die Zahl wieder.

Für die Ordnung im Stadion sind die Vereine selbst verantwortlich und sollen dafür auch die Kosten tragen. Für die öffentliche Ordnung aber ist die Polizei in der Pflicht. Steuerfinanziert ohne Wenn und Aber! Alles andere käme einem Dammbruch gleich und Alpträume könnten innerhalb weniger Jahre wahr werden.

 

 

VfL Bochum – Liebe auf den ersten Blick

SAMSUNGAls ich Anfang 1990, die Berliner Mauer war gerade gefallen, zum ersten Mal nach Bochum kam, ahnte ich nicht, welche weitreichende Folgen dies für mich haben sollte. In meinem Audi 80, der uns trotz seiner 410.000 km noch zuverlässig  von Mannheim ins Herz des Reviers brachte, saßen während der dreistündigen Autofahrt erwartungsvoll und voller Klischees über das graue Ruhrgebiet Sonja, Christian und ich. Natürlich ging mir Grönemeyers „Bochum“ durch den Kopf, als wir schließlich auf dem Parkplatz der RUB ankamen. Tatsächlich lief im Kassettenrekorder HeavyMetal. Wir waren auf der Suche nach einem neuen Studienort. Es war Liebe auf den ersten Blick: Spätestens nach dem Besuch einiger Bermuda-Dreieck-Kneipen und einem Absturz im „Intershop“ mochte ich als gebürtiges Mannheimer Stadtkind die Atmosphäre Bochums.

SAMSUNGAls Fußballfan hatte ich meine Bestimmung noch nicht gefunden. Ich schwankte zwischen Eintracht Frankfurt und (ja, ich gestehe es) dem BVB hin und her. Als mich eine Studienfreundin zum ersten Mal mit in die Ostkurve nahm, war es um mich geschehen. Ein Vierteljahrhundert später lebe ich wieder in meiner Geburtsstadt. Was aus besagter Studienkollegin geworden ist, weiß ich nicht. Die Leidenschaft zum VfL, mit dem ich seit Anfang der 1990er Jahre Höhen und Tiefen erlebte, ist geblieben und gewachsen.

Heute beginnt nun die fünfte Zweitligasaison in Folge für die Blau-Weißen. Ein hartes Los, zumal zuletzt sogar der Abstieg in Liga 3 drohte.

Zum Glück – und gegen den Protest vieler Fans – hat der Verein an Chefcoach Peter Neururer festgehalten. Nach den Turbulenzen der letzten Jahre wohltuend. Für eine positive Entwicklung des Teams ist ein wenig Kontinuität notwendig. Der Kader wurde verkleinert und stark verjüngt. Mit acht Neuzugängen wurde die Mannschaft von Christian Hochstätter gezielt und positiv verändert. „Qualität statt Quantität“, so lautete offensichtlich die Devise bei den Neuverpflichtungen. Individuelle Klasse, Spritzigkeit und Tempo. Eigenschaften, die man in der letzten Saison an der Castroper Straße schmerzlich vermisste. Ein klasse Job von Hochstätter, zumal für die Transfers nicht ein Euro an Ablösesummen bezahlt werden musste.

Jubel nach dem historischen Triple des FC Bayern MünchenUnd auf Zug zum Tor wurde geachtet: Magere 30 Treffer erzielten die Bochumer Jungs in der letzten Spielzeit. Der Sturm wurde praktisch komplett ausgetauscht. Mit Heimkehrer Sestak landete man einen echten Überraschungscoup, auch Terrode und Gregoritsch sollten in der Lage sein, den einen oder anderen Ball mehr im gegnerischen Kasten unterzubringen als ihre Vorgänger. In der Vorbereitung gelangen in sieben Testspielen bereits 49 Kisten.

Größere Verletzungen blieben in der Vorbereitung aus, auch Keeper und Kapitän Andy Luthe scheint für das heutige Match wieder fit zu sein. Es ist zu hoffen, dass das Team auch im Saisonverlauf von längeren Ausfällen verschont bleibt. Denn die zweite Garnitur kann lange nicht die Qualität der voraussichtlichen Stammelf aufweisen.

Mit Jan Simunek wurde ein super Ersatz für Malte gefunden. Trotzdem könnte die Abwehr die Achillesverse in dieser Saison werden. Die Viererkette mit Stefano Celozzi, Patrick Fabian, Jan Simunek und Timo Perthel scheint zwar stabil. Sollte von diesen Spielern allerdings einer ausfallen, steht nur Heiko Butscher, der eine grandiose Vorbereitung gespielt hat, als Ersatz bereit. Vielleicht kann der frischgebackene U19-Europameister Fabian Holthaus (Herzlichen Glückwunsch!!!) in die Rolle hineinwachsen. A-Jugendspieler Klostermann und Onur Bulut scheinen noch nicht in der Lage zu sein, in der Defensive eine tragende Rolle zu spielen.

Im defensiven Mittelfeld sind die Blau-Weißen mit Latza, Losilla und Jungwirth gut aufgestellt. Zahirovic muss zeigen, dass man ihn dort wirklich brauchen kann. Auf den Außenpositionen erwarte ich den Neckarauer Marco Terrazzino auf einem Stammplatz, um den anderen werden sich Cwielong und Tasaka streiten müssen.

Meine Wunschelf für die neue Saison (in einem 4:4:2-System):

wunschelfMein Saisoneinstieg wird am 16. August beim Pokalspiel gegen den VfB Stutgart sein. Zu dritt, darunter eine Anhängerin der Schwaben. Am Abend vor dem Spiel werden wir vielleicht noch im Plumeau zu Abend essen, das in Mannheim-Neckarau bei mir um die Ecke von Terrazzinos Eltern betrieben wird. Und vielleicht treffen wir ihn selbst ja zufällig in Bochum. Eine Stadt über die er sagt: „Bochum und ich, das ist Liebe auf den ersten Blick.“ Und über das Bermuda-Dreieck fügte er hinzu: „Da ist es zwar zuweilen ein wenig laut, aber als gebürtiges Mannheimer Stadtkind kommt mir sogar das entgegen.“

Heute erst mal gegen die Kleeblätter. Mein Tipp: 2:1 für Blau-Weiß.

 

Spielerfrauen

Lecker! FußballkuchenVor dem Viertelfinale gab es ordentlich Stunk im französischen Lager: Die Spielerfrauen verließen unter Protest die Unterkunft der Equipe Tricolore. Der Grund: die Herberge entsprach nicht den gewohnten Standards der Ladies in Blau-weiß-rot. Vielleicht ist hier der wahre Grund für die kurz darauf folgende 0:1-Niederlage der Franzosen gegen Neuer, Lahm & Co. zu suchen.

Die Spielerfrau als solche ist ja insgesamt eine geheimnisumwobene Figur. Sie gilt in der Boulevardpresse als schön, sexy, modebewusst, ein wenig zickig und immer ein Foto wert. Selten, sehr selten finden sich dagegen Hinweise auf eine intellektuelle Betätigung der Ladies, auf einen Beruf (außer Model) oder eine sonstwie geartete Aktivität, die über Shoppen, laziv am Strand abhängen und Selfies machen hinausgeht.

Wer oder was sind also diese Spielerfrauen? Hier eine erste musikalische Annäherung von Basta aus dem Jahr 2006, mit der die A-capella-Band nach eigener Aussage mit allen Vorurteilen aufräumt :

Spielerfrauen geht es also immer nur ums Kicken. Aber wer zum Teufel ist Kevin Kuranyi?

Eine Art persönliche Liebeserklärung liefert uns Olli Schulz aus Hamburg. Und zeigt uns mal wieder, was für ein begnadeter Musiker und Texter Olli ist. Ich liebe das Lied:

Sehr zu empfehlen ist auch Spielerfrau Carrie. Auf ihrem Blog „11 Spielerfrauen“ kommentiert sie fachkundig und witzig das aktuelle Fußballgeschehen. Ihr Credo ist, dass die „Qualität der Fußballberichterstattung von einer Menge Faktoren abhängt, sicherlich jedoch NICHT von den Chromosomen des Autors! Insofern gibt es keinen typisch männlichen oder typisch weiblichen Fokus auf das Spiel.“ Was soll man als Fan von 11 Spielerfrauen da noch hinzufügen?

Und auch das sind Spielerfrauen:

Auf den VfL Sindelfingen bin ich durch unsere Tipperin steffiiie aufmerksam geworden, die als einer der wenigen Fans zumindest in Gedanken immer bei den Underdogs aus dem Schwabenland war und mitfieberte, ob zumindest mal ein Punkt im rauhen Bundesligaalltag rausspringt. Und tatsächlich: Immerhin zwei Mal spielte das Team Remis und erzielte in 22 Bundesligaspielen 4 Tore. Fing allerdings auch 123 Gegentore und spielt nun in der Saison 2014/2015 wieder in Liga 2. Trotzdem: Eine Mannschaft, die den Namen „VfL“ trägt und so offenkundig eine „ehrliche Haut“ (Herbert Gönemeyer) ist, find ich natürlich – als Mitglied des VfL Bochum – super!

Und so werden die deutschen Spielerfrauen am Sonntag auf der Tribüne sitzen. Und hoffentlich auch genauso jubeln:

Quelle: http://sportfotos.photoshelter.com

 

 

 

 

 

 

 

Den Fußball revolutionieren: Technik statt Leidenschaft

FIFA WM 2014

Davon träumt die Präsidentin …

Welch ein Auftakt! Zu viert plus eine 3-Liter-Flasche Kellerbier konnten wir vor dem Fernseher das Eröffnungsspiel miterleben. Brasilien schießt vier Tore und gewinnt mit 3:1 Toren gegen ebenbürtige Kroaten. Der japanische Schiri half auch ein wenig mit, als er nach einem harmlosen Rempler im Strafraum auf den ominösen Punkt zeigte. Unverständlich.

Unser Vorschlag: Es sollte unbedingt eine elektronische Strafraumüberwachung eingeführt werden, um dem Schiri bei der Frage „Foul oder kein Foul“ zu unterstützen. Die Torlinienkamera funktioniert ja bereits, wie gestern zu sehen war. Der Unparteiische bekommt hier übrigens auf einer spezielle Armbanduhr den Hinweis „Goal“, wenn der Ball die Torlinie in vollem Umfang überschritten hat. So könnte man es bei den Strafraumfouls auch machen. Auf der Uhr würde dann „Zeig auf den Punkt“ stehen. Eine Schuhkamera könnte dazu beitragen, hinterfotzige Tritte auf Füße und Beine des Gegenspielers sofort zu erkennen, egal wo der Referee gerade seine Augen hat. „Zeig ihm die Karte“, steht dann auf der Uhr. Um aneinander geratende Spieler zu trennen, schlagen wir den Einsatz von Pfefferspray vor. Außerdem könnten Sprachcomputer die Äußerungen aller Spieler auf Schimpfworte und Schiedsrichterbeleidigungen hin mittels Simultanübersetzung überprüfen und ebenfalls an die Uhr der Männer in Schwarz senden.

SAMSUNGOder, wie Zarghol gestern vorschlug, die Spieler treten gar nicht mehr auf dem Platz an, sondern nur noch in FIFA 14 auf der Playstation. Jeder Nationalspieler spielt sich selbst und wir schauen uns das im TV oder Internet an. Marco Reus wäre dann dabei und die investierten Gelder könnten statt in den Stadionneubau in das brasilianische Bildungssystem gesteckt werden … Bleibt die Frage: Was macht dann Jogi Löw? Und was ist das für ein Freistoßspray? Ist das Rasierschaum? Sahne?

Weitere Ideen zur Optimierung der Technik im und um das Spiel? Bitte gerne:

Fußballkuchen

Bei unserem Tippspiel, an dem sich aktuell 12 Spielerinnen und Spieler beteiligen, hatten drei gestern den richtigen Riecher: Radu, Zarghol und Holger tippten 3:1 für die Seleção. Sie übernehmen damit zunächst die Führung.

 

Rolle rückwärts mit Selbstzweifeln

Rakete In der ZEIT vom 30.01.2014 schrieben die Redakteure Marc Brost und Dr. Heinrich Wefing darüber, dass sie es nicht hinkriegen, ihre Karriere mit ihrem Familienleben zu vereinen. Schaut hier: Geht alles gar nicht

Mich hat das beschäftigt und ich fand deren Argumentation um den heißen Kinderbrei geschrieben. Die Redaktion der ZEIT  konnte sich „leider angesichts ungeheuer vieler anderer drängender Themen“ nicht dazu durchringen, meine Replik zu veröffentlichen, schrieb Dr. Wefing. Nun ja, Karriere geht vor. Was das mit Fußball zu tun hat? Seht selbst (Kommentare gerne erwünscht):

P1070380Rolle rückwärts mit Selbstzweifeln

Eine Replik auf den Beitrag „Geht alles gar nicht“ von Marc Brost und Heinrich Wefing (Die Zeit, 30.01.2014)

Die Autoren Marc Brost und Heinrich Wefing beteuern in ihrem Plädoyer für mehr Vereinbarkeit von Karriere und Familie (Die Zeit, 30.01.2014), dass sie mit ganzem Herzen Väter seien, ebenso aber ihrem Job leidenschaftlich gerne nachgehen. Indessen darf der Leser an ersterem mit Fug und Recht zweifeln. Bekommt man doch bei der Lektüre eher den Eindruck, hier wären zwei karriereorientierte Männer damit beschäftigt, zu begründen, warum sie den Karriereweg zu Lasten von Familie und Kinder gewählt haben. Die Autoren vermischen in leicht zu durchschauender Weise ihren Wunsch nach schneller, steiler Karriere sowie die damit verbundenen Strapazen und negativen Auswirkungen auf das Privatleben mit der Frage, wie sich Beruf und Familie miteinander vereinbaren lassen. Wer von sich behauptet, von ganzen Herzen Vater zu sein, aber zum Beispiel beim Fußballspiel permanent nach dem Smartphone schielt, sich den E-Mails vom Chef oder seiner nächsten Recherche anstatt seinem Kind zuwendet, hat seine Priorität klar gesetzt. Dagegen ist nichts einzuwenden. Aber die Autoren sollten wenigstens ehrlich sein und es genau so sagen: „Mein Job ist mir wichtiger als mein Kind und die Familie.“

Fußballwerbung Samstagmittag auf einem Bolzplatz in Mannheim: rund fünfzehn Väter (und einige Mütter), nahezu alle berufstätig in verschiedenen Branchen und auf unterschiedlichen Hierarchiestufen, kicken gemeinsam ihren Kindern. Es wird gelacht, verbissen gekämpft, gejubelt und gefeiert. Kein Klingelton stört das muntere Treiben. Es ist so einfach, denn es gibt einen Schalter, den die Autoren offenbar nicht kennen: den „Power-Off“-Schalter. Kaum gedrückt, erhält man eine oder mehrere ruhige und entspannte Stunden, in denen man all das tun kann, was man gerne tun möchte. Im Übrigen mit und ohne Kinder. Diese Väter kommen meiner Beobachtung nach sehr gut und stressfrei mit der Situation zurecht. Vielleicht haben sie sich vor der Geburt ihres Sohnes oder ihrer Tochter einmal ernsthaft damit auseinander gesetzt, welchen tiefgreifenden Veränderungen der Lebensrhythmus durch ein solches Ereignis unterworfen ist. Bei genauerem Nachdenken hätten Brost und Wefing auf die Idee kommen können, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf so zu interpretieren, dass das Berufsleben – zumindest für einige Zeit – familienfreundlich gestaltet werden kann. Haben sie sich allen Ernstes gewünscht, ganz Vater zu sein und gleichzeitig auf der journalistischen Karriereleiter ganz nach oben zu klettern? Glaubten sie tatsächlich, ihr Leben würde genauso weiter gehen wie bisher? Also von frühmorgens bis abends und gerne auch mal am Wochenende recherchieren, schreiben, redigieren, Quellen auswerten, Interviews führen bis zum nächsten Karriereschritt? Und: wer sollte sich um die Kinder kümmern, sie erziehen und auf ihrem Lebensweg begleiten? Eine Erzieherin in der Krippe oder doch die Mutter, die dann zuhause die vollen Windeln wechselt, dafür aber erleben kann, wie nach acht Wochen zum ersten Mal ein Lächeln über das Kindergesicht huscht.

Zur Erläuterung ihrer Gefühlslage zitieren die beiden die Schriftstellerin Julia Franck „Wenn ich schreibe, kann ich nicht mit meinen Kindern sein, und wenn ich mit meinen Kindern bin, kann ich nicht schreiben. Dieser Zwiespalt erzeugt eine enorm hohe Spannung, weil ich in beidem voller Hingabe lebe, beides ist Hingabe und Liebe.“ Aber die beiden Journalisten ziehen das falsche Resumée. Franck beschreibt, dass sie beides – Schreiben und mit den Kindern sein – mit voller Hingabe tut. Und gerade dies führt bei ihr dazu, „das Leben als ständiges Scheitern“ zu erleben. Die Autoren dagegen jammern auf hohem Niveau und erleben gerade diese Spannung nicht. Ihre Hingabe gilt dem Beruf, die Kinder erfahren diese Hingabe nicht, weil ständig das Handy klingelt und ein Artikel zu Ende geschrieben werden muss. Und das hat – da lassen die beiden keinen Zweifel – immer Priorität vor dem Kicken, Eisenbahn spielen und Kindergeburtstag feiern.

So weit so gut. Die beiden Autoren behaupten nun aber ohne jegliche Ironie, sie seien Vorreiter der Emanzipation: „Wir sind Pioniere, die erste Generation, die tatsächlich versucht, Gleichberechtigung zu leben. Was gehen mich die Kinder an, ich mach Karriere! – das ist für uns keine denkbare Haltung mehr.“ Genau so verhalten sie sich aber und greifen nun tief in die argumentative Trickkiste: Zwar könne die Konsequenz aus ihrer unbefriedigenden, männlichen Work-Life-Balance nicht ein Zurück in die Fünfziger sein. Aber irgendwie war früher doch alles besser: die Rollen klar verteilt, die Frau wusste, dass sie sich um Wäsche, Geschirr und den ganzen Weiberkram kümmern musste. Und nun das: Rollenerwartungen wandeln sich, auch von Männern wird dies heute erwartet. Und klar, theoretisch wissen Brost und Wefing auch, wo es langgeht, hauswirtschaftlich und beziehungsmäßig gesehen. Aber machen soll das dann schon die Frau, oder wie muss man diesen Satz verstehen: „Und dann? Hat man schon wieder keine Zeit, wenn die Kinder spielen wollen; liegt die schmutzige Wäsche herum; musste die Partnerin doch wieder einen Babysitter organisieren (…); war das Frühstück ein Reinfall, weil man nicht zugehört hatte, als die Ehefrau sagte, dass man den Namen ihrer Chefin schon wieder verwechselt habe. Und das mit dem Sex … ach, lassen wir das.“ Das mit dem Sex hätten die beiden auch bei Wolfgang Schmidbauer nachlesen können: „Die erotische Entfremdung nach der Geburt eines Kindes ist ebenso trivial wie in ihren Folgen oft herzzerreißend.“ (ZEIT Magazin 06/2014) Das aber nur am Rande.

Das Pioniertum der Journalisten besteht auch in der Folge darin, eine Begründung dafür zu liefern, warum ihnen gar keine andere Wahl blieb, als Beruf und Karriere vor die Familie zu stellen. Die Gesellschaft ist ja so schlecht – nicht genügend Kitas, Frauen gebären aus Unsicherheit über den weiteren Berufsweg spät oder gar nicht, Chefs haben kein Einsehen. Also wird die Rolle rückwärts eingeschlagen: zwar wissen sie, wie man bügelt und Wäsche wäscht, aber sie tun es nicht. Auf der Strecke bleiben vermutlich die Frauen, die dann – wie so häufig in unserer Gesellschaft – gar keine Chance haben, beruflich erfolgreich zu sein. Es muss sich ja jemand um den Haushalt und die Kids kümmern.

Die Autoren vertun hier eine Chance. Mit Recht hätten sie auf die vielen Missstände in unserer Gesellschaft hinweisen können und darauf, dass es bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch viel zu tun gibt. Beides lässt sich derzeit nur in Übereinstimmung bringen mit viel Glück und unter optimalen Bedingungen: Der Chef muss mitmachen (das tut der von Brost und Wefing offenbar nicht oder sie haben mit ihm darüber nicht gesprochen, dass es auch mal Auszeiten braucht, um entspannt Zeit mit den Kindern zu verbringen), die Krippe muss einen Platz frei und ausreichende Öffnungszeiten haben, mit der Lebensgefährtin braucht es eine Übereinkunft darüber, dass man beides will: Familie und Beruf. Die Liste ließe sich beliebig erweitern, doch darauf kommt es den Autoren nicht an.

Sie lamentieren stattdessen darüber, dass sie auch niemanden hätten um Rat fragen können, wie sich berufliche Ambitionen und Familienleben vereinbaren lassen. Das stimmt nicht. Spätestens seit 1968 und verstärkt seit den frühen 1980er Jahren gab und gibt es eine wachsende Zahl Frauen und Männer, die – mal mehr, mal weniger erfolgreich – versuchen, althergebrachte Rollenmuster aufzubrechen, anders zu leben und Kindererziehung und Berufsalltag gut miteinander zu verbinden. Ich selbst kenne zum Beispiel eine Professorin, deren Mann sich zuhause um die Kinder kümmert und dennoch voller Leidenschaft und erfolgreich Bücher schreibt. Ich kenne Männer, die ganz aus dem Berufsleben ausgestiegen sind und der Frau das Geldverdienen überlassen haben. Ich kenne Frauen und Männer, die beide in etwa gleich viel arbeiten, aber sich dennoch der Bedeutung von Privatleben und Familie bewusst sind.

Auch ihre eigenen Eltern hätten Brost und Wefing fragen können. Ein guter Freund berichtete kürzlich, dass sein Vater sein Leben lang hart malocht, Karriere gemacht habe bei einem großen deutschen Elektrokonzern. „Für mich spielt er heute kaum noch eine Rolle. Er war ja nie da, sondern auf Dienstreisen. Er kam, wenn überhaupt, immer erst nach Hause, wenn ich gerade ins Bett musste. Smartphones gab es da noch nicht. Dafür hat er einfach geschwiegen, egal, welche Frage man an ihn richtete“, so mein Freund.

Mein letzter Besuch eines Geburtsvorbereitungskurses liegt nun schon über achtzehn Jahre zurück. Ich erinnere mich gut an einen anderen werdenden Vater, der auf die Frage der Hebamme, was er mit Vaterschaft und Elternsein persönlich verbinde, antwortete: „Ich möchte meinem Sohn die große, weite Welt zeigen.“ Ich weiß nicht, ob dieser Wunsch Realität wurde. Für mich war dieser eine Satz eine Art Initialzündung: Genau dies wollte ich meinem eigenen Sohn bieten. Koste es, was es wolle. Und sei es die Karriere. Also arbeitete ich seit Mitte der 1990er Jahre nur selten Vollzeit, war zumeist um 16 Uhr derjenige, der den Junior aus der Kita abholte, nahm mir „kinderfrei“ für eine „Mutter-Kind-Kur“ (so hieß das damals noch, auch wenn der Vater die Kur antrat), für Arzt- und später Lehrergespräche. Wenn das Kind Grippe hatte und nicht die Krippe besuchen konnte, blieb ich zuhause, ging zum Kinderarzt, wechselte Windeln, tröstete, kochte das Mittagessen. Meine Arbeitgeber nahmen das als etwas Exotisches hin. Aber sie akzeptierten es und dafür bin ich dankbar. Meiner Karriere hat es sicher geschadet, dass ich dem Arbeitgeber nicht ohne Unterlass zur Verfügung stand. Ich habe es dennoch auch beruflich zu etwas gebracht, es hat nur etwas länger gedauert.

P1070403Die Autoren wollen die letzten Abenteurer auf der Jagd nach beruflicher Anerkennung, tollen Momenten mit ihren Ehefrauen und Kindern sein. Pioniere der Gleichberechtigung und Vorreiter für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. In den Beschreibungen ihrer Lebenssituation ist jedoch vor allem ein lautstarkes, unzufriedenes Lamentieren über die eigene Situation hörbar und eine klar ausgesprochene Priorität für den Beruf und gegen die Beteiligung an der Kindererziehung erkennbar. Eine seriöse Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Defiziten bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf findet dagegen nicht statt. Ebenso keine persönliche Reflektion über eigene Handlungsmöglichkeiten, um die permanent als Stress empfundene Lebenssituation zu verbessern. Weder werden klassische Rollenmodelle hinterfragt, noch versuchen die beiden, ihren Chefs klarzumachen, dass sie auch mit einer reduzierten Arbeitszeit durchaus gute Arbeit leisten und sogar Führungsaufgaben übernehmen könnten. Sie könnten die alte Gewerkschaftsparole „Samstags gehört Papi mir“ aufgreifen, ihre Mobiltelefone, Computer und Tablets umweltschonend ausschalten und sich am Wochenende wenigstens zeitweise ganz ihren Kindern widmen. All dies und noch viel mehr könnten Brost und Wefing tun. Stattdessen agieren sie wie die meisten Männer: sie nehmen ein paar Monate Elternzeit (vermutlich gemeinsam mit der Frau, beide sind dann zuhause) und setzen anschließend ihren Berufsweg unverändert fort. Das ist in der Tat kein Zurück in die Fünfziger. Es ist – mit Verlaub – fast noch schlimmer. Die Autoren machen weiter wie ihre Väter (die sie nie danach gefragt haben, wie es ihnen ging), überlassen große Teile der Kindererziehung den Frauen und kokettieren zum Schutz mit ihrem schlechten Gewissen.

„Ich sage nur ein Wort: Danke schön!“

Wäre lieber noch im Bett geblieben ...Trotz Länderspielpause hatten unsere F-Junioren nicht spielfrei. Zu nachtschlafender Zeit, um 8.45 Uhr am Morgen trafen wir uns auf dem Parkplatz von McDonalds an der Neckarauer Straße. Heute ging es zum F-Juniorenspieltag bei der SG Viernheim. Natürlich war ich am Freitagabend mal wieder viel zu spät ins Bett gekommen und rechtschaffen müde. Und hätte mir viel lieber die Faultiere zum Vorbild genommen und ein wenig weitergeschlummert …

F-Junioren SG ViernheimZum Glück gabs in Viernheim einen guten Kaffee, der mich schlagartig wach machte. Und es war saukalt am Samstagmorgen. Ich hatte keine Jacke mit, weil ich auf die Sonne hoffte. Vergeblich. Die kam erst am Nachmittag. Frierend stellt ich gemeinsam mit Mark unsere beiden Teams auf die Spiele ein. Die Bilanz der beiden Mannschaften: 9 Spiele, 5 Siege, 2 Unentschieden, 2 Niederlagen. Wichtiger: auch heute wieder waren Fortschritte erkennbar, insbesondere das Freilaufen und das Passspiel klappten schon viel besser als noch vor einigen Wochen.

Nachmittags dann noch Heimspiel der A-Junioren gegen den VfR Mannheim. Die B-Jugend hatte spielfrei und so durfte mein Ältester bei der A-Jugend aushelfen. Als ich kam, lief das Spiel schon einige Minuten und der Junior wärmte die Ersatzbank. Schön war, dass die Liebste noch vorbeikam, um mit mir die letzten Sonnenstrahlen zu genießen und gemeinsam das Spiel zu verfolgen. Zumindest teilweise. Zwischendurch vertraten wir uns im Waldpark ein wenig die Beine. Zurück am Platz lief die 2. Halbzeit, mein Junior war inzwischen als rechter Außenverteidiger im Einsatz und der VfR Mannheim führte mit 2:1 Toren. Es folgten zwei weitere Treffer (was nicht am Junior lag) und der VfR gewann verdient mit 4:1 Toren.

Ben RedelingsEinen Tag später nutzten wir die Länderspielpause, um der Buchmesse in Frankfurt einen Besuch abzustatten. Nach dem Besuch der Touristikabteilung – wir wollten uns über neue Reiseziele und Reiseliteratur informieren –  landeten wir eher zufällig in einer Lesung (oder war es ein Vortrag?) von Ben Redelings. Er stellte dort sein neues Buch über „50 Jahre Bundesliga“ vor. Ich hatte es ja schon einmal erwähnt: die 50. Saison hat gerade begonnen. Insofern fehlt all diesen Büchern eine Spielzeit, nämlich die aktuelle Saison 2012/2013. Dennoch ist Redelings Buch ungemein amüsant und ich habe viele Dinge über die Bundesliga gelernt. Das Buch gehört definitiv in das Bücherregal jeden Fußballfans. Sehr unterhaltsam erzählte Redelings einige nette Anekdoten aus den letzten 49 Jahren Bundesliga.

Ich wusste es bis dahin nicht, aber Ben ist auch Anhänger des VfL Bochum. In Frankfurt fragte er ins Publikum, wer denn außer ihm VfL-Fan sei. Außer mir meldeten sich noch zwei andere Besucher. Kommentar Redelings: „Na super, dann sind ja alle da.“ Nicht schlecht.

VfL Bochum1848Zum Schluss bleibt mir nur, das schöne Bonmot von Kopfballkönig Horst Hrubesch aufzugreifen, das ich gerne mal wieder von Ben Redelings in Frankfurt hören durfte und das ich hiermit auch allen meinen Blog-Lesern zurufe: „Ich sage nur ein Wort: Danke schön!“

Das Jahrhundertspiel und die Republik Moldau

Mac und ich mit Jelena vor der "Zentrale"Als am vergangenen Dienstag die Nationalelf gegen die Schweden noch einen 4:0 – Vorsprung vergeigte, saß ich mit Mac in der Mannheimer Zentrale vor einem Pils und besprach den weiteren Zeitplan für unseren Moldau-Reiseführer. Erst am nächsten Morgen erfuhr ich aus der Zeitung vom Endergebnis. „Sowas gab es noch nie!“, lauteten die ersten Kommentare.

Mir fiel natürlich sofort das Bochumer Jahrhundertspiel ein, das für den VfL Bochum ein noch tragischeres Ende nahm. Am 18. September 1976 traten die Blau-Weißen gegen den amtierenden Europapokalsieger der Landesmeister FC Bayern München an. 17.000 Zuschauer verfolgten das Spiel im Stadion an der Castroper Straße. Ich selbst habe wenigstens die Tore am Abend in der Sportschau gesehen. Ich war damals elf Jahre alt und noch kein Fan des VfL Bochum. Das kam erst später. Aber die Bayern konnte ich noch nie wirklich gut leiden und drückte deshalb an diesem Abend den Bochumern die Daumen.

TSG RheinauIch selbst kickte mehr schlecht wie recht aktiv bei der TSG Rheinau (Ganz kurz sogar mal in einer Mannschaft mit Maurizio Gaudinho. Meistens hatte der aber schon drei Kisten erzielt, bis ich erst mal ungefähr wusste, wo der Ball ist.)

Zur Halbzeit schien die Überraschung perfekt zu sein. Nach Toren von Harry Ellbracht (24. Und 43. Minute) sowie Jupp Kaczor (38. Minute) führten die Gastgeber am 6. Spieltag zur Pause mit 3:0 Toren. Als dann auch noch Pochstein in der 53. Minute Nationalkeeper Sepp Maier zum vierten Mal überwunden hatte, schien die Partie gelaufen.

Doch dann passierte Unglaubliches: Die Bayern, die mit fünf Weltmeistern von 1974 antraten (Maier, Schwarzenbeck, Beckenbauer, Hoeneß und Müller), starteten eine furiose Aufholjagd. Im „Spiel der offenen Tore“ (Bayern-Trainer Dettmar Cramer) traf der junge Karl-Heinz Rummenigge nur zwei Minuten nach dem 4:0 zum 4:1 Anschlusstreffer. Zwanzig Minuten später führte der FC Bayern mit 5:4 Toren. „Katsche“ Schwarzenbeck (57. Minute), zweimal Gerd Müller (63. Minute und 74. Minute durch Elfmeter) und schließlich Uli Hoeneß (75. Minute) trafen für den amtierenden deutschen Meister.

Bochum hielt dagegen und jubelte, als Jupp Kaczor zehn Minuten vor Spielende zum Ausgleich einnetzte. Doch eine Minute vor Abpfiff erzielte erneut Hoeneß den 5:6-Siegtreffer für den FC Bayern München. Bayern-Dusel eben.

Zimbru-Stadion ChisinauInsofern sollten Jogis Jungs jetzt mal den Ball flach halten. Immerhin konnte noch ein Punkt gerettet werden. Die Republik Moldau holte übrigens am gleichen Abend in San Marino den ersten Auswärtssieg seit langem uns belegt jetzt nach vier Spielen und vier Punkten den vierten Platz in der WM-Quali-Gruppe H. Nächster Gegner ist am 22. März 2013 im Zimbru-Stadion in Chisinau das Team von Montenegro. Bis dahin ist übrigens dann auch der Reiseführer fertig, der im Achter-Verlag erscheint.

„Das ist natürlich Mist!“ – Bochum steigt aus der 1. Bundesliga ab

Heute also beginnt die 50. Saison der Fußball-Bundesliga. Bis zum 08.05.2010 hat der VfL Bochum 1848 insgesamt 34 Jahre lang in dieser Liga gespielt. Seitdem mühen sich die  Blau-Weißen in Liga 2. Mein letztes Spiel der 1. Bundesliga war dann auch das letzte Spiel des VfL Bochum zuhause gegen Hannover 96. Hier mein Bericht:

MFC 08 Lindenhof, E3-Junioren Saison, 2009/2010Toooor!!! Gemeinsam mit meinen Ersatzspielern stehe ich jubelnd am Spielfeldrand. Soeben hat Baris nach einem schönen Dribbling den Anschlusstreffer zum 2:3 erzielt. Kurz vor Spielende dann die Entscheidung. Aus kurzer Distanz zieht ein Plankstädter Spieler ab, der Ball landet unhaltbar für unseren Keeper im Tor. Nach fünfzig spannenden Spielminuten gewinnt die SG Eintracht Plankstadt mit 4:2 Toren gegen die E3-Junioren des MFC 08 Lindenhof. Statt wie geplant um halb zwölf zum zweiten wichtigen Fußballspiel an diesem Tag aufzubrechen, verquatsche ich mich und komme erst eine gute Stunde später weg.

Es ist der 08. Mai 2010, der 34. und letzte Spieltag der Fußball-Bundesliga. Der VfL Bochum spielt zuhause gegen Hannover 96 gegen den Abstieg. Auch ohne hier auf alle Ergebnisvarianten einzugehen, ist die Ausgangslage klar: Mit einem Sieg können die Blau-Weißen den Klassenerhalt schaffen. Gleiches gilt auch für die Gäste. Eine Niederlage ist für beide Teams gleichbedeutend mit dem Abstieg.

Ich fahre also los. Die Strecke bin ich schon einige hundert Mal gefahren und kenne sie im Schlaf. Auf der A 5 bis zum Gambacher Kreuz, von dort auf die Sauerlandlinie (A 45) bis zur Abfahrt Bochum/Witten, dann kurz über die A 44 rein nach Bochum. Wenn alles gut geht, schaffe ich die 300 Kilometer in etwas mehr als 2 ½ Stunden.

Vom respektablen Spiel meiner E-Jugend abgesehen, sollte an diesem Tag alles schief gehen. Es fing schon am Abend vorher an. Kurz vor dem Schlafengehen erreicht mich die SMS einer jungen Dame, die ich auch vom her Fußball kenne und die mich zum Spiel begleiten wollte. Ich hatte mich sehr darauf gefreut, war ich doch, das will ich nicht verhehlen, ein wenig verliebt. Sie könne leider doch nicht mitkommen, schrieb sie. Jetzt hatte ich eine Eintrittskarte zu viel.

Mein Skoda Fabia CombiEs sollte noch schlimmer kommen. Ich war bereits auf der A 45, ein paar Kilometer vor Hagen, als ich hinter einer Kurve urplötzlich im Stau stehe. Die Cockpituhr meines Skodas zeigt 14.34 Uhr. Noch eine knappe Stunde bis Spielbeginn und noch rund dreißig Kilometer bis zum Stadion. Ich bleibe zuversichtlich. Wie schon während der gesamten Fahrt, drehen sich auch jetzt fast alle Gedanken darum, ob die Blau-Weißen den Klassenerhalt schaffen werden. Oder ob sie, wie so häufig in den Wochen zuvor, mit Blei in den Fußballstiefeln über den Platz schlurfen und zum Gegenspieler permanent zwei bis drei Meter Abstand halten würden. Die restlichen Gedanken kreisen um die Frage, was die wahren Beweggründe der Absage besagter junger Dame waren. (Ich sollte es erst einige Monate später erfahren, aber das ist eine andere Geschichte.)

Kurz nach 15 Uhr löst sich der Stau am Kreuz Hagen auf. Ich hole alles aus meinem Auto raus und heize mit 160 Stundenkilometer Richtung Bochum. Als ich das Opel-Werk passiere, erfolgt der Anpfiff. WDR 2 überträgt das Spiel im Radio. Kurz darauf, ich biege gerade auf den Parkplatz am Stadion ein, die erste Schreckensnachricht: „Und da ist das 1:0 für Hannover 96. Torschütze Bruggink! Und das Ganze in der neunten Spielminute.“, tönt es aus den Autolautsprechern. Ich haste zum Stadion. Unterwegs veräußere ich noch das mangels Begleitung überflüssig gewordene Ticket weit unter Preis.

Eintrittskarte VfL - Hannover 96Als ich meinen Platz in Block C, Reihe 3, einnehme, herrscht eine angespannte Atmosphäre. Während die Bochumer Jungs nicht so recht ins Spiel finden, zeigen sich die Gäste sehr präsent und hellwach. Nach dreiundzwanzig Minuten der nächste Schock: Mike Hanke erzielt das 0:2 für Hannover. Während die 96er-Fans jubeln, macht sich beim VfL-Anhang Niedergeschlagenheit breit. Um uns Mut zu machen erkläre ich meinem Sitznachbarn, dass wir im Hinspiel ja auch schon mit zwei Toren hinten lagen und das Spiel noch gedreht haben. Die Diskussionen ersticken im Keim, als Pinto kurz vor der Pause mit dem 0:3 für die Entscheidung sorgt. Die Mannschaft des VfL hat sich in ihr Schicksal ergeben. Wir tun es ihnen gleich und ertränken unseren Frust in der Halbzeitpause und bis zum Spielende mit einigen Bierchen. Dann endlich Abpfiff. Die Qual hat ein Ende! Ich wische mir einige Tränen aus dem Gesicht. Der VfL ist zweitklassig. Teile der Bochum-Fans randalieren und stürmen den Platz. Muss nicht sein! Ich verlasse das Stadion und mache vor der Heimfahrt noch einen Abstecher in den Bahnhof Langendreer, wo ich zu Studienzeiten viel Geld gelassen habe. Nach einem Kaffee zum nüchtern werden informiere ich per Kurznachricht die zuhause gebliebene Dame über den Ausgang des Spiels und meine daraus resultierende Gefühlslage. „Das ist natürlich Mist!“, kommt kurz darauf die lapidare Antwort. Begleitet von Grönemeyer-Songs mache ich mich schließlich auf den Heimweg.

Noch während der Fahrt entschließe ich mich, jetzt erst recht Mitglied beim VfL Bochum zu werden. Am späten Abend setze ich dieses Vorhaben sofort in die Tat um. So endete mein letztes Erstligaspiel doch noch versöhnlich.

So, nun ihr! Schreibt eure schönste Fußball-Story hier auf: 49 Jahre Bundesliga – Schreibt eure schönsten Geschichten!

„Wir alle sollten ein bisschen besser aufpassen – auf unsere Worte, unser Denken, unsere Taten.“

Wildgänse beim MFC 08Heute beim Bambini-Training: Die Spieler jagen fröhlich und talentiert dem runden Leder nach (natürlich Größe 4 und Super-light), dann passiert dies: Ein Jagdhund schießt über den Platz dem Ball hinterher und reißt einen meiner Spieler um. Zum Glück zieht der Hund dann wieder ab Richtung Waldpark, wo er auch herkam. Der Spieler verletzt sich zum Glück nicht, der Schreck sitzt ihm aber in den Knochen. Am Ende darf er dann aber den Schlachtruf anstimmen: „Hasta la vista olé, Hasta la vista olé, Hasta la vista, olé, olé, olé. Uh ah cha cha cha MFC 08 hurra!“ tönt es fünfzehnstimmig über den Platz und alles ist wieder gut. Trotzdem wären mir die Wildgänse, die vor einigen Wochen über den Platz wackelten, lieber gewesen.

Das Training war ein schöner Abschluss einer einer anstrengenden und eher grausamen Arbeitswoche. Insider wissen, wovon ich spreche … Wenngleich der schönste Tag der Donnerstag war (aber das ist eine andere und sehr private Geschichte).

Schön war auch, von Daniel Drißler zu hören, den ich noch von meinen Zeiten als Jugendleiter des TSV Neckarau kenne. Daniel bloggt zu den wirklich wichtigen Dingen im Fußball auf seinem Fußball-Training-Blog. Ich möchte euch den Blog sehr ans Herz legen, denn Daniel gehört ganz sicher zu den wirklich guten Trainern und schreibt hervorragend über viele wichtige Fragen des Fußballtrainings und besonders auch über Jugendfußballtraining.

„Die Freiheit jedes Einzelnen ist immer auch die eigene Freiheit.“ Das ist zwar ein Zitat, aber der Satz hätte auch von mir kommen können. Freiheit ist das höchste Gut! „Wir alle sollten ein bisschen besser aufpassen – auf unsere Worte, unser Denken, unsere Taten.“ Schöner kann man es kaum formulieren und in diesem Sinne möchte ich auch noch auf die „Aktion Libero“ aufmerksam machen, die unter anderem von DFB-Präsident Theo Zwanziger und der Schauspielerin Maria Furtwängler unterstützt wird.

Und von Thees Uhlmann.  Mitbegründer der Band Tomte und Autor des folgende Songtextes: „Ich kam auf die Welt in einem Kadett. Ein Poster von Littbarski über meinem Bett.“ Pierre Littbarski spielte zwar beim 1.FC Köln. Der Kadett aber kam woher? Genau! Aus der Heimatstadt des VfL Bochum 1848!